Inspiriert wurde ich zu diesem Gedanken, dass wir wieder ein positives Bild unserer Zukunft brauchen, von einem Interview bei Tilo Jung mit dem Intellektuellen Richard David Precht.

Interview von Tilo Jung mit Richard David Precht

Dieser stellt die These auf, dass die Parteien wieder eine positive Geschichte (oder Narrativ) erzählen müssten. Eine politisch langfristiges Ziel müsse vorgegeben werden, statt nur zu taktieren und alles dafür zu tun, um an der Macht zu bleiben. Wirkliche Probleme, wie die Frage nach der zukünftigen gestaltung der Arbeit oder wie wir den immer stärker werdenden Umweltproblemen begegnen, die wir aufgrund von Kohle, Erdölverbrennung oder Massentierhaltung haben, müssen gelöst werden. Wie wollen wir Güter und Land gerechter verteilen, wenn aufgrund von Dürre oder Umweltkatastrophen immer mehr Menschen auf der Flucht sind? Sind Mauern um Europa oder den USA wirklich eine Lösung? Ich denke nicht. Außerdem stürzen wir in Europa von einer Krise in die nächste und es werden immer krassere Einschnitte in die Bürgerrechte der Menschen, die in Deutschland leben, damit begründet. Krassestes Beispiel der jüngeren Zeit ist die Rede Thomas de Maizières auf dem europäischen Polizeikongress. Ähnliche Kritik äußerte übrigens auch Noam Chompski, ebenfalls im Interview mit Tilo Jung, der sich darüber echauffiert, dass sich die Welt von Donald Trump trollen lässt.

Natürlich ist die Frage berechtigt, ob Parteien dazu überhaupt der richtige Rahmen sind, um soetwas zu erörtern. (Diese Frage wird im Video ab Minute 35 auch gestellt.) Ich bin mir da mittlerweile auch nicht mehr sicher. Einige Leute, denen ich diese Idee vorgetragen habe, sind ebenfalls skeptisch. Letzten Endes sind aber die Parteien es, die die politische Macht haben und über essentielle Dinge wie Bildung, die Bedingungen der Arbeit oder des sozialen Zusammenlebens entscheiden. Was wir von visionsloser Politik ohne moralischen Kompass haben, sieht man in der jüngsten Vergangenheit. Entscheidungen lassen jegliches Maß an Empathie vermissen und Angst, Gewalt und Hass bestimmt das Handeln.

Wohin uns Politik aus Angst und die tatsächlich vorhandene Ungerechtigkeit in der Gesellschaft führt, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Sie führt zu mehr Unfreiheit, Ungerechtigkeit, Gewalt und nicht zu humanitären politischen Entscheidungen. Ich will im Übrigen auch nicht daran glauben, dass bereits morgen alles zusammenbricht und wir am Rande des totalen Kollaps der Gesellschaft stehen. Das glauben Leute in meinem persönlichen Umfeld schon seit Jahren. Es bringt auch nichts so zu leben, als wäre es bald soweit. Die Erfahrung zeigt, dass „das (kapitalistische) System“ viel länger überlebt und stabiler ist, als manch einer glaubt. Also warum sich von diesen Gedanken leiten lassen? Mir sind Träumer lieber, als Untergangspropheten. Ich bin dafür das zu ändern, und fordere: mehr Hedonismus wagen!